Shirley Seul

Goodbye, Baby
Glücklich ohne Kinder

Um dem Bild nur halbwegs zu entsprechen, braucht es mindestens ein Kind. Besser wären zwei. Denn was bleibt von der Weiblichkeit, wenn wir die Mütterlichkeit abziehen?
Es ist noch gar nicht so lange her, da war eine berufstätige Frau etwas Besonderes. Der Beruf der Frau war die Verwaltung des Haushalts – und dazu gehörten Kinder und natürlich das Warten auf den Mann.
Heute gibt es viele Wahrheiten. Aber die Frauen, die ihren Weg aus eigenem Entschluß gehen wollen, müssen zuerst Vorurteile, Meinungen, Suggestionen, Trends, Moden, patriarchale Strukturen, die Werbepsychologie, Lügen, kapitalistische Interessen, Mutters Interessen und eigene Bequemlichkeit beiseite räumen.

Die Frau, die sich entschieden hat, ohne Kind glücklich zu werden, findet in diesem Buch alle Argumente, die ihr die Vorwürfe der Familie, Umwelt und Gesellschaft vom Leibe halten. Mit dir stimmt doch was nicht? Von wegen...

Leseprobe:

Seltsam, diese Trennung, dachte ich. Das Fest war nun schon sieben Stunden alt – und nur vereinzelt hatten sich Mütter und Nichtmütter gemischt. Noch immer saßen die Mütter und Eltern unter den Bäumen, während die anderen beim Grill lagerten und die Tische auf der Wiese zusammengeschoben hatten. Es gab Ausnahmen – so wenige, daß sie wie Überläuferinnen wirkten. War das Scheu oder Ablehnung – oder Gleichgültigkeit? Wieso interessierte sich keine Mutter dafür, wie eine Nichtmutter sich gegen ihren Vorgesetzten behauptet hat – und wieso interessierte diese sich nicht dafür, wie die Mutter es trotz der einundvierzig Grad Fieber geschafft hat, ruhig zu bleiben? Ruhe muß eine auch bei Vorgesetzten bewahren, und Durchsetzungsvermögen schadet auch bei Kindern nicht. Von diesem Austausch könnten alle profitieren. Die alten Vorurteile spukten durch meinen Garten. Daß Elternzeit, Erziehung, Urlaub für Realitätsflüchtlinge ist – obwohl wir wissen, daß die Vorstellung, es sich mit Kleinkind zu Hause gemütlich zu machen, ohne Hausangestellte nicht zu verwirklichen ist. So hatte ich es mir auch ausgemalt. Der Göttergatte geht zur Arbeit, und ich mache mir einen schönen Tag. Mit zunehmendem Alter wurde ich realistisch. Je realistischer, um so untauglicher, mit einem Kind alle Hindernisse zu überspringen. Realismus beschwert, Fantasie verleiht Flügel.

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2003 -  200 S. -  € D 16,40 / € A 17,00 / sFr. 28,30  - ISBN 3-88104-355-1