Luisa Francia

Auf Katzenpfoten zur Nirwanarolle
Ein Übungsbuch mit Audio-CD

Leseprobe:

Ob du eine Sprache lernst, einen Tanzschritt begreifen, eine Dehnung erfahren, den Atem spüren willst – du mußt die dazu nötigen Handlungen immer wieder tun. Einer meiner afrikanischen Tanzlehrer sagt gern in jedem seiner Kurse, daß die Weißen zuviel denken und wir endlich mal den Kopf ausschalten sollen.
Dann kam eine andere afrikanische Tanzlehrerin und sagte ganz ungeniert: Ihr müßt mitdenken. Nicht einfach nur mit dem Hintern wackeln und möglichst schnell die Füße herumwerfen. Macht die Bewegung genau, denkt an die nächste Bewegung, bereitet sie vor und behaltet die ganze Choreographie im Kopf. Das war eine Überraschung. Als ich mit ihr sprach, sagte sie, was ich auch schon immer gedacht hatte: »Wir sehen die Bewegungen von Kindheit an immer wieder, machen sie mit, spielen damit, tanzen mit den Erwachsenen, und irgendwann gehen sie uns in Fleisch und Blut über. Diese Erfahrung habt ihr nicht, also müßt ihr euch damit vertraut machen, indem ihr sowohl tanzt als auch mitdenkt. Das Mitdenken hört erst auf, wenn die Bewegung vertraut geworden ist.«
Und dann hat mein afrikanischer Tanzlehrer irgendwie doch wieder recht: Wirklich gut wird Bewegung erst, wenn du nicht mehr darüber nachdenken mußt. Wenn der Fuß hochschnellt, ohne daß der Kopf sagt: Jetzt!
Nach vielen, vielen Wiederholungen entsteht die Automatik, die auch beim Autofahren, Fahrradfahren, Zwiebeln Schneiden oder beim Stricken entsteht: Die Bewegung ist Teil deiner Erfahrung, der Geläufigkeit deines Körpers. Sie wird zu deiner Körpersprache. Die Hand schnellt Sekundenbruchteile vor dem Angriff vor. Der Körper duckt sich instinktiv vor dem Schlag weg. Die Füße springen in die Finger der Trommlerin hinein. Darum geht es, deshalb wollen wir tanzen. Weil wir das Kennen.

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Herbst 2004 -  140 S. -  € D 19,90 / € A 20,50 / sFr. 33,90  - ISBN 3-88104-369-1