Angelika Aliti

Der Kreis in der Wüste
Handbuch der 13 Aspekte weiblichen Seins zur praktischen Anwendung

Es gibt eine kognitive, d.h. verstandesbestimmte, eine emotionale und eine soziale Intelligenz. Dann eine kreative und eine Erfolgsintelligenz, die uns Frauen meist nicht so vertraut sind, obwohl wir auch in diesem Punkt aufholen, und eine spirituelle Intelligenz. Die kognitive Intelligenz benötigen wir, um zu verstehen, was wir auffassen. Die emotionale fügt Mitgefühl und Verantwortung hinzu. Die soziale kann es umsetzen. Die kreative Intelligenz läßt uns über unseren Schatten springen. Die Erfolgsintelligenz sichert, was die kreative Intelligenz entwickelte. Und die spirituelle Intelligenz ist imstande, die größeren, die kosmischen Zusammenhänge wahrzunehmen.
Dieses Buch schult vor allem die kreative, die Erfolgs- und die spirituelle Intelligenz.

Wenn eine Frau ihre Träume verwirklichen will, muß sie erst einmal aufwachen

Aus dem Inhalt:

I. Den Kreis ziehen
1. Freiheit und andere Begriffe
2. Entscheidungen fällen
3. Abhängigkeiten auflösen
4. Konsens bilden statt Mehrheitsbeschlüssen folgen
5. Projekte strukturieren
6. Beziehungen gestalten
7. Neues Recht
8. Konflikte lösen
9. Den Sinn des eigenen Lebens finden

II. Den Kreis betreten
1. Gefährtinnen, Verbündete und Schwestern
wie sich einzelne Aspekte berühren und inspirieren
wie sie sich positiv verbünden
warum sie nicht von Dauer sein können
2. Dreifache Göttin
wie die Aspekte ein heiliges Dreieck bilden
wie sie Harmonie in dein Leben bringen
wie und was sie fördern
warum sie nicht von Dauer sein können
3. Viererbanden
wie sie dich in Spannung versetzen
wie sie dich zu Entscheidungen zwingen
wie du an und mit ihnen wächst
warum sie nicht von Dauer sein können

III. Der Besuch der alten Dame
Was passiert, wenn die wilde Frau die zwölf Aspekte berührt


Vorwort
Dies ist der Folgeband zu meinem Buch „Das Maß aller Dinge“. Er ist als praktische Anleitung zu den im ersten Band formulierten Gedanken gedacht. Hier kann eine nachschlagen, sich praktische Hinweise holen, sie Schritt für Schritt umsetzen und so eine eigene weibliche Sicht der Welt entwickeln.
Eine weibliche Weltsicht ist die Voraussetzung, wenn wir neue Strukturen schaffen wollen – Strukturen, die geeignet sind, Frauen ein Leben zu ermöglichen, das ihnen Unabhängigkeit und tatsächliche Selbstbestimmung verschafft, die Wege aufzuzeigen, die eine gehen kann, um mehr als nur zu überleben.
Strukturen zu schaffen ist die Voraussetzung, um Träume zu verwirklichen. Ich meine damit die Träume, die – wenn sie Wirklichkeit geworden sind – zu einem erfüllten, lustvollen und sinnvollen Leben führen.
Ich halte nicht viel davon, Rezepte weiterzugeben, weder beim Kochen noch im Leben. Aber manchmal ist es notwendig, ganz praktische Hilfen und konkrete Anleitungen zu haben, wenn etwas in die Wirklichkeit kommen soll. Es geht darum, daß die Zeiten angebrochen sind, in denen wir die Grundlagen für neue und bessere Lebensformen für Frauen schaffen müssen. Es war ein langer Weg, um bis dahin zu kommen, daß Frauen tatsächlich Alternativen für ihre Lebensentwürfe suchen und finden können. Um unabhängige, aus dem eigenen Selbst heraus definierte Lebensentwürfe ging es im „Maß aller Dinge“. Dieses Buch nun liefert die Rezepte für die unterschiedlichsten Lebensbereiche dazu.
Vorbei die Zeiten, als viele Frauen im Schweigen verharrten und glaubten, ihre Probleme rührten aus ihrer persönlichen Unfähigkeit. Die Entdeckung, daß es vielen von uns, wenn nicht allen ähnlich geht, ist nun auch schon gemacht.
Vorüber die Jahre des Protestes, des Aufruhrs und des Zorns über gesellschaftliche Bedingungen, die Frauen zur Zweitrangigkeit verurteilen.
Danach kamen die Zeiten, als wir uns unserem Selbstwert zuwandten – uns damit beschäftigten, was „Frausein“ denn überhaupt ist. Wir suchten nach weiblicher Identität in allen Bereichen. Stritten miteinander darüber, was unter Weiblichkeit verstanden werden kann. Vorbei, vergangen auch dies. Es ist mittlerweile alles gesagt. Welche es jetzt noch nicht weiß, findet ausreichend Gedanken und Schriften, um es zu lernen.
Wir wandten uns den Wurzeln unseres Seins zu und suchten in den alten Matriarchaten und Amazonenstaaten nach Resten unseres Stolzes. Als wir entdeckten, wie die Welt einmal gewesen war, verging uns die Lust, an diesem ausgelaugten, lebensfeindlichen System namens Patriarchat herumzubessern. Wir hatten keine Antworten, suchten aber nach den richtigen Fragen. Das hielt uns einige Jahre beschäftigt.
Die wichtigste Frage, die uns einfiel, nachdem wir unseren Stolz wiedergefunden hatten, war die nach dem Sinn von Gewalt und Ausbeutung. Viele von uns lebten diese Frage, indem sie aus bestehenden Verhältnissen ausstiegen oder in die innere Emigration gingen. Alles in der Hoffnung, eines Tages auf Antworten zu treffen, die einen klaren Ausweg bieten. Wir fanden statt dessen neue Fragen. Zum Beispiel die nach dem Sinn der eigenen Existenz und der des Universums. Zwei Erscheinungen, die fraglos in Zusammenhang stehen. Auf der Suche nach dem Sinn unseres Daseins holten wir die Göttin in ihrer vielfältigen Erscheinung in die Welt zurück, so daß der patriarchale strafsüchtige Gott mit seinem ausgemergelten leidenden Sohn sich nun auch bald in den verdienten Ruhestand begeben kann. Auch darüber müssen wir inzwischen keine Worte mehr verlieren.
Ich blicke zurück und denke: Was haben wir nicht alles erlebt! Was haben wir nicht alles durchgestanden! Was haben wir nicht alles gelernt und erfahren! Ich meine nicht nur einzelne Lebenswege, individuelle Schicksale. Ich meine ganze Kulturkreise und in diesen gleich mehrere Generationen. Wir Feministinnen der letzten hundertzwanzig Jahre haben ganz schön was ins Rollen gebracht.
Das alles ist Teil unseres Rückblicks geworden. Was aber finden wir, wenn wir nach vorne schauen? Was bleibt noch zu tun? Sind noch Wünsche offen?
Was übrigbleibt, ist die Sehnsucht nach einer Welt, in der nicht Angst das dominierende Lebensgefühl ist, sondern Lebensfreude. Wäre es nicht wunderbar, wenn dieses neue Jahrhundert auch neue Lebensformen ermöglichte? Lebensformen, die keine Hierarchie brauchen, um zu funktionieren; die ein Höchstmaß an persönlicher Freiheit und seelischer Entwicklung ermöglichen?
Damit das nicht Utopie bleibt, ist einiges zu tun. „Das Maß aller Dinge“ sollte zeigen, daß wir Frauen nicht nur ein weibliches Weltbild entwickeln müssen, sondern daß dieses Weltbild sich nur verwirklicht, wenn wir uns bewußt zur geistigen, seelischen und spirituellen Reife entwickeln. Es gibt eine kognitive, d.h. verstandesbestimmte Intelligenz; es gibt auch eine nachweisbare emotionale Intelligenz. Die soziale Intelligenz ist uns bewußt. Dann gibt es noch eine kreative und eine Erfolgsintelligenz, die sind uns Frauen meist nicht so vertraut, obwohl wir auch in diesem Punkt aufholen. Und es gibt überdies eine spirituelle Intelligenz. Die kognitive benötigen wir, um zu verstehen, was wir erfahren. Die emotionale fügt Mitgefühl und soziale Verantwortung hinzu. Die soziale kann es umsetzen. Die kreative Intelligenz läßt uns über unseren Schatten springen. Die Erfolgsintelligenz macht uns erfolgreich und sichert damit, was die kreative Intelligenz entwickelte. Und die spirituelle Intelligenz ist imstande, die größeren, die kosmischen Zusammenhänge wahrzunehmen.
Dieses Buch schult genau wie „Das Maß aller Dinge“ vor allem die kreative, die Erfolgs- und die spirituelle Intelligenz. Und weil dies so ist, beginne ich mit einer Geschichte. Die Geschichte heißt:


Die Wahrheit über Dornrosa

Es war einmal eine Zeit, in der hatte das Jahr dreizehn Monate. Da lebten dreizehn weise Frauen, die die Zeit hüteten und alle Entscheidungen trafen, die das Leben der Menschen betrafen. Diese Frauen hießen nach dem, was sie waren: Amazone, Bäuerin, Denkerin, Liebende, Königin, Wissende, Händlerin, Heilerin, Künstlerin, weise Alte, Priesterin, Mutter, wilde Frau. Das war schon immer so. Und darum dachten die dreizehn weisen Frauen, daß das auch so bleiben würde. Doch die Zeit war viel älter als alles, das schon immer so war, und darum blieb es nicht, wie es war.
Eines Tages schickte die Königin der wirklichen Welt den dreizehn Frauen eine Nachricht: Von nun an haben sich die Zeiten geändert. Ich bin noch immer die Königin der äußeren, der wirklichen, der materiellen Welt. Aber ich habe einen Mann geheiratet. Er glaubt an einen Gott, der die Welt aus seinem Kopf geboren hat. Das Jahr hat nur noch zwölf Monate. Eine von euch ist nicht mehr wichtig. Es ist kein Platz mehr für die dreizehnte Mond. Wir verehren jetzt ganz andere Leute als euch. Janus, Julius und Augustus. Ihr heißt jetzt Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, Dezember. Wir zählen in einem anderen System. Sieben, acht, neun, zehn. September, Oktober, November, Dezember.
Da fiel am hellen Tag Nacht über die Welt, denn der Mond verdunkelte die Sonne.
Die dreizehn lebten ihr Leben weiter. Sie bestellten ihren Garten. Sie beobachteten den Himmel bei Tag, um über das Wetter zu wissen, und bei Nacht, um über die Schicksale zu wissen. Eines Tages wußten sie, daß die Königin der wirklichen Welt bald ein Mädchen zur Welt bringen würde. Als das Mädchen geboren war, brachte ein Bote der Königin eine Einladung, denn die Königin wollte die Geburt ihrer Tochter Dornrosa feiern.
Es waren jedoch nur zwölf der dreizehn zu dem Fest eingeladen. Januar, Februar, März April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, Dezember. Die dreizehnte war nicht eingeladen. Sie machte ein ziemliches Theater, tobte, schimpfte, drohte, klagte. Es nützte ihr alles nichts. Sie war nicht mehr erwünscht. So gingen nur zwölf Frauen zu Dornrosas Geburtstagsfest. Amazone alias April begann als erste, denn sie konnten sich noch nicht daran gewöhnen, daß nach der neuen Zeitrechnung die alte Weise alias Januar den Anfang zu machen hatte.
Alle zwölf Frauen überreichten dem Kind ihre Gaben.
April sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit zu sein.
Mai sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit zu haben
Juni sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit zu erkennen.
Juli sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit zu fühlen.
August sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit zu handeln.
September sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit zu ordnen.
Oktober sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit abzuwägen.
November sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit zu verändern.
Dezember sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit zu ehren.
Januar sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit zu prüfen.
Februar sagt: Ich gebe dir die Fähigkeit zu sehen.
Gerade als die Mutter, die ja inzwischen März hieß, als zwölfte ihre Gabe überreichen wollte, stürzte die wilde Frau, die dreizehnte auf das Fest. Sie sagte: Dies ist mein Geschenk. Du gehörst zu uns. An dem Tag, an dem du das erstemal zu bluten beginnst, kommen wir und holen dich.
Da sagte die Mutter alias März: Du hast noch viel Zeit. An deinem fünfzehnten Geburtstag sollst du für einen Tag zu uns kommen und lernen, was wir zu lehren haben. So kannst du selber entscheiden, was du willst. Ich schenke dir die Freiheit.

An ihrem fünfzehnten Geburtstag ging die junge Dornrosa in diese gewisse kleine Kammer, ganz oben im Schloß. Und wie wir wissen, verschwand sie für lange Zeit. In Wahrheit war es nur ein Tag, an dem sie alles lernte, was es zu lernen gab. In der anderen, der wirklichen, der materiellen Welt aber schien es, als vergingen hundert Jahre. Am Ende war nicht nur die dreizehnte aus der Welt verschwunden, sondern auch die zwölf anderen. Die neue Zeit begann. Männer nahmen das Recht in die Hand. Die freien Frauen verschwanden. Sie wurden ermordet, verbrannt, gehängt oder verheiratet. Ein junger Mann, der tot an einem Holzkreuz hing, wurde als Symbol der Liebe und Freiheit angebetet. Seine Anhänger gingen einmal in der Woche in ein großes Haus, wo sie unter Gesang symbolisch sein Fleisch aßen und sein Blut tranken. Tiere wurden eingesperrt und benutzt. Das Land unterworfen und ausgebeutet. Wissenschaftler spalteten das Wissen, bis es als Bombe über allen schwebte. Aber das System kennt Überlebende.

Die dreizehn Überlebensstrategien:
Die niedliche Kindfrau.
Die adrette Hausfrau.
Die Fit-und-schlank-Frau.
Die Gut-im-Bett-Frau.
Die mächtige Politikerin.
Die durchhaltende Sekretariatskrankenschwester.
Die Karrierefrau.
Die Therapeutin.
Die Süchtige.
Die alte Hure.
Die Nonne.
Maria, die Dulderin
Elisabeth, die nette Zeitlose.

Und Dornrosa. Es war ihr fünfzigster Geburtstag, und sie lud ihre Freundinnen ein, um mit ihr zu feiern. Das ist der Punkt, an dem wir uns gerade befinden. Nehmen wir einmal an, daß Dornrosas Intuition sie leitet und sie und die dreizehn Überlebensgefährtinnen dazu bringt, ausreichend Sehnsucht nach einem authentischen Leben zu entwickeln. Und gehen wir weiter davon aus, daß sie auf vielfache Weise auf ausreichendes Frauenwissen und Frauenerfahrung zurückgreifen können. Sie können nun loslegen. Oder vielleicht sollte ich besser sagen, sie können nun aufwachen, um ihre Träume zu verwirklichen.

Du findest in diesem Buch Erläuterungen, warum der Kreis als weibliches Lebensprinzip ein hilfreiches Denk- und sinnvolles Praxismodell ist. Ich habe – wie in meinen anderen Büchern auch – versucht, Frauenwirklichkeit darzustellen; eine Frauenwirklichkeit, in der sich Lesben wie Heteras wiederfinden können. Ich möchte zeigen, daß die dreizehn Aspekte weiblichen Seins dir ganz konkret dabei behilflich sein können, Authentizität zu erlangen, erfolgreich zu werden und zu bleiben, indem du lernst, Kreise zu ziehen. Außerdem will ich dir Ausstiegshilfen aus dem polaren Denken bereitstellen und dir statt dessen in die Beziehungsvielfalt helfen. Kommunikation, Berührung, Beziehung findet nicht nur entweder zwischen zweien oder zwischen vielen statt. Es gibt auch beglückende Dreierkonstellationen und spannende Viererbeziehungen. In beiden Fällen sind übrigens wirkliche Beziehungen gemeint und nicht Variationen zur Belebung ansonsten symbiotischer sexueller Zweierbeziehungen. Mehr darüber erfährst du im zweiten Teil des Buches, in dem der Kreis betreten wird, den du im ersten Teil gezogen hast.
Selbsterfahrung schult unsere kreative Intelligenz; Zweierkonstellationen schulen die emotionale Intelligenz; Dreier-Konstellationen schenken spirituelle Intelligenz, und Viererkonstellationen sind der Quell für Erfolgsintelligenz. Und das Ganze erfährt noch einmal eine interessante, kreative Veränderung, wenn der Aspekt der wilden Frau die zwölf Aspekte weiblichen Seins berührt. Darüber erzählt dir der dritte Teil des Buches.
Alle dreizehn Aspekte weiblichen Seins haben außerdem Patinnen, die aus der Ferne ihren Einfluß ausüben. Du wirst unschwer erkennen, daß es sich bei diesen Patinnen um die symbolische Bedeutung handelt, die wir den Planeten unseres Sonnensystems zuschreiben. Ich habe mich entschlossen, euch die Sterne vom Himmel zu holen, weil sie nicht nur Einfluß haben, sondern als Symbole erhellende Hilfe auf dem Weg in ein weibliches Weltbild sein können.
Wenn du dieses Buch wie ein Nachschlagewerk und eine Ratgeberin in allen Lebenslagen benutzt, wird es dir immer neue Möglichkeiten aufzeigen, wie du dein eigenes Maß findest.

 hauptcube2.GIF (82 Byte) Bestellen: info@verlag-frauenoffensive.de  Zurück
  

2001 -  240 S. -  € D 19,90 / € A 20,50 / sFr. 35,90  - ISBN 3-88104-334-9