1974 – 2004 30 Jahre Verlag Frauenoffensive

Frauenoffensive ist Deutschlands erster Frauenverlag und das älteste deutsche autonome feministische Projekt.

1974 beschlossen achtzehn Frauen aus der Münchner Frauenbewegung, Texte, die sie für ihre Diskussionen wichtig fanden, allen Frauen zugänglich zu machen. Es begann als Reihe Frauenoffensive im Trikont-Verlag mit „Lohn für Hausarbeit“, dem „Frauen-Journal Nr. 1“ und der Langspielplatte „Von heute an gibt’s mein Programm“. Wer hätte damals gedacht, was daraus werden würde?

Das süße Gift des Feminismus.
Süddeutsche Zeitung 1999

Ich weiß nicht, was damals provozierender wirkte – das Wörtchen „Frauen“ und dazu noch in der Mehrzahl, das war schon eine Herausforderung, und dann noch die Offensive. Aber die frauenübliche Defensive hat es nie gebracht. Dass wir so weit gekommen sind, dass Feministin nicht mehr ein Schmähwort ist, dass Frauenkampf und Frauenforderung Respekt bringt, die Offensive hat’s erstritten.
Christa Reinig zum 25. Geburtstag des Verlags 1999

Der Verlag der Frauenbewegung, der am ehesten für sich in Anspruch nehmen kann, die vielen Sprachen, die Frauen sprechen, zu dokumentieren und auf den Büchermarkt zu bringen.

Literatur konkret 1980

Das Ziel der Verlegerinnen, autonomes Leben für Frauen denkbar und lebbar zu machen, spiegelt sich, egal ob Roman oder Sachbuch, in allen Veröffentlichungen der Frauenoffensive wider.

Silke Weniger, art entention 1997

1996 Anita Augspurg-Preis der Stadt München
Aus der Begründung: Die zum Teil spektakulären Erfolge des Verlages ließen traditionelle Verlage aufhorchen und ermunterten Frauen in anderen Städten zu Verlagsgründungen. Die Frauenoffensive begreift dies als Chance für die Frauenliteratur und arbeitet eng mit der „Konkurrenz“ zusammen. Diese engagierte Wegbereitung für ein Umdenken unserer Gesellschaft verdient höchste Anerkennung.

Verleihung der Auszeichnung „Bücherfrau des Jahres“ während der Frankfurter Buchmesse 2003.

Die Bücherfrauen würdigen damit den ersten Frauenverlag der Bundesrepublik Deutschland. Sie danken den Frauen, die sich 1990 aus dem Verlag heraus an der Gründung des BücherFrauen e.V. beteiligt haben.

Innovationskraft und die Verpflichtung, das Private in den öffentlichen Raum zu bringen und damit politisch zu machen, ist seit 30 Jahren die Stärke und das große Verdienst des Verlags.

Susanne Lange/DVA in ihrer Laudatio

Die Laudatio… klang denn auch wie eine kleine Literaturgeschichte der Frauenbewegung. Feministische Theorien machten den Anfang. Verena Stefans Bestseller „Häutungen“ gab 1975 endlich den finanziellen Rückhalt. Mehr als 350 Titel wurden seitdem publiziert, noch heute zählen Matriarchatsforschung und feministische Philosophie zu den Themen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2003